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Aus meinem Alltag: Ein ganz normaler Mittwoch

Autor: LauraHartmann | Datum: 12 März 2018, 11:23 | 0 Kommentare

Es ist fünf Uhr, mein Handywecker klingelt, wie jeden Morgen, ich will nicht aufstehen, auch wie jeden Morgen. Die Dusche die mich erwartet motiviert mich definitiv noch weniger. Auf dem Drehknopf ist zwar ein roter Punkt, mittlerweile habe ich allerdings die Hoffnung aufgegeben, dass dort morgens irgendwann doch nochmal warmes Wasser rauskommen wird. Also raus aus dem Bett und ab unter die kalte Dusche, ich fühl mich jedes Mal so als müsste ich in die kalte Nordsee springen. Einen Vorteil hat das Ganze allerdings: ich bin einigermaßen wach. Ich schnapp mir einen Topf, Wasser mit Milchpulver anrühren, auf den Herd damit und Haferflocken dazu, dass ist quasi schon mein morgendliches Ritual hier geworden. So ganz wach bin ich doch noch nicht. Ich rühre im Topf herum und beobachte wie der Haferbrei seine Konsistenz verändert. Wir sitzen am Tisch, rühren uns jeder eine zerdrückte Banane unter den Haferbrei und essen gemütlich vor uns hin.

 

Die erste Schulstunde beginnt um zehn vor sieben. Der Weg ist nicht weit, die meisten Läden am Straßenrand sind noch geschlossen und überall sieht man das Beige und das Hellblau der Schuluniformen des Collège Protestant de Naolo und der Ecole Primaire. Für uns beginnt der Unterricht allerdings erst um zehn nach zehn, deswegen verbringen wir den Mittwochmorgen im Kindergarten – so jedenfalls die Theorie. Der Kindergarten und die Grundschule liegen direkt neben dem Collège, der Weg ist also der gleiche. Wenn wir dort ankommen merken wir häufig, dass wir mal wieder umsonst dort aufgetaucht sind. Die Türen sind verschlossen, die Damen die normalerweise das Essen verkaufen sind nicht da und vereinzelt sieht man Kinder, die sich wieder auf den Heimweg machen – es wird mal wieder gestreikt. Der Kindergarten und die Grundschule streiken sehr häufig, überwiegend von mittwochs bis freitags, da das Lehrpersonal einen höheren Lohn haben möchte und es generell Probleme bei den Auszahlungen des Gehaltes gibt. Wir machen uns dementsprechend auf den Rückweg. Die gewonnene Zeit nutzen wir dann häufig um noch Wäsche zu waschen, was hier ja doch ein wenig mehr Zeit in Anspruch nimmt, oder den Haushalt zu machen. Der Vorteil daran, das Ganze vormittags schon erledigen zu können, ist, dass die Wahrscheinlichkeit Besuch zu bekommen recht gering ist und man so ganz entspannt seine Arbeiten erledigen kann.

 

Gegen zehn Uhr machen wir uns dann auf den Weg zur Schule. Dort angekommen dreht man zunächst eine Runde im Lehrerzimmer um allen die Hand zu geben und zu begrüßen. Es wird hier als sehr unhöflich empfunden nur in die Runde zu grüßen und nicht jedem persönlich die Hand zu geben und sich zu erkundigen wie es demjenigen geht, wie er geschlafen hat oder ob er gut aus dem Bett gekommen ist – das sind so die typischen Fragen am Morgen. 

Danach machen wir uns dann auf in die 4eme (entspricht der 7. Klasse), zunächst die 4eme A, danach die 4eme B. Da die beiden Klassen doch eher wenig motiviert sind Deutsch zu lernen, sind es für uns meistens die beiden anstrengendsten Stunden in der Woche. In beiden Klassen sitzen an die 60 Schüler und dort dann Ruhe reinzubringen und nach Möglichkeit noch etwas zu vermitteln stellt sich doch jedes Mal wieder als Herausforderung dar. Nach den beiden Stunden ist dann Pause. Wie die Schüler nutzen wir die Pause meistens um uns Reis oder Weißbrot mit Salat und Soße zu holen. Nach der zwanzig minütigen Pause gehen wir dann entweder mit in den Französischunterricht der fünften Klasse oder bereiten den Unterricht für die achte Stunde in der 3éme vor. Die achte Stunde endet um halb zwei und danach machen wir uns auf den Heimweg. 

 

Gerade zu Hause angekommen, stehen dann auch meistens schon unser Nachbar und sein Kumpel vor der Tür. Zeit zum Ausruhen, Mittagessen kochen oder Haushalt ist so meistens doch eher knapp bemessen, ein weiterer Grund warum wir gerne das Essensangebot der Schule nutzen. Ansonsten wird eben für alle gekocht, auch wenn unser Besuch von unseren Kochkünsten nicht immer ganz begeistert ist oder unsere Gerichte einfach nur komisch findet. Anfänglich haben wir die gemeinsame Zeit häufig mit UNO spielen verbracht, mittlerweile füllen wir diese häufig mit tanzen – beziehungsweise dem Versuch die Bewegungen, die allen hier so leicht von der Hand gehen, einigermaßen ansehnlich nachzumachen. Glücklicherweise bringen die Beiden immer viel Geduld mit und mittlerweile sitzen ein paar der Tanzschritte doch einigermaßen. Häufig schauen dann im Laufe des Nachmittags auch noch andere Freunde vorbei, man weiß eigentlich nie, wie voll man das Haus im Laufe des Tages haben wird. Wenn wir dann nicht gerade auf den Markt gehen müssen oder andere Erledigungen zu tätigen haben, sind wir erst mit Einbruch der Dunkelheit wieder alleine. Die Gesellschaft ist zwar auf der einen Seite super nett, aber hat auch den Nachteil, dass man häufig einfach nicht zu dem kommt, was man sich eigentlich vorgenommen hat.

 

Je nachdem wie viel Lust wir dann noch zum Kochen haben, läuft es dann entweder auf Spaghetti oder Couscous (häufig mit Tomatensauce) hinaus oder aber wir nehmen uns Zeit und kochen eines der Gerichte, die wir hier kennen und kochen gelernt haben. Die Zubereitungszeit läuft dabei häufig auf eine Stunde hinaus, weswegen wir uns nicht immer dazu motivieren können. Nachdem dann gemütlich gegessen und viel geschnackt wurde, muss noch der Abwasch erledigt werden und, im Gegensatz zu meinen Schlafgewohnheiten in Deutschland, geh ich dann häufig auch schon gegen zehn ins Bett. 

 

Ich hoffe ich konnte euch so einen kleinen Einblick in meinen Alltag hier geben, natürlich sieht jeder Tag ein wenig anders aus, aber ich denke in den groben Zügen spiegelt das einen ganz durchschnittlichen Tag hier sehr gut wieder.